Wirksame PR in Zeiten des „Wutbürgers“

Wirksame PR in Zeiten des „Wutbürgers“

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„Stuttgart 21“, aber auch die Olympiabewerbungen von München und Hamburg haben gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger Großprojekten nicht mehr vorbehaltlos ihre Zustimmung geben. Im Gegenteil: Im zunehmenden Maße möchten sie ihre Meinung einbringen und in ihren Anliegen ernst- und wahrgenommen werden. Eine mangelnde Anhörung oder Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen bei derartigen Großprojekten führt deshalb dann in der Regel zur völligen Ablehnung eines solchen Projektes.

Der Generalverdacht lautet dann, dass in diversen Hinterzimmern eh an den Interessen der Bürger vorbei gemauschelt wird. Und wenn es Kommunen sind, die ein solches Projekt realisieren möchten, ist angesichts der allgemein klammen Situation deutscher Städte und Gemeinden die Frage nicht weit, wie eine Stadt denn ein so kostenintensives Projekt finanzieren will. Bei dieser emotionalen Gemengelage wird es dann immer schwieriger, mit Sachargumenten durchzudringen. Das Projekt droht zu scheitern. Denn logisch: In einer solchen Projektphase geht es nicht mehr um Argumente, sondern um den Wunsch, gehört zu werden.

Eine offene Kommunikation hat deshalb strategische Bedeutung. Denn Kommunikation, d. h. die faire Auseinandersetzung und der gleichberechtigte Austausch mit dem Gegenüber ist eine zentrale Form der gegenseitigen Anerkennung und kann dann entscheidend dazu beitragen, die Bürger für ein Projekt zu gewinnen. Eine offene Kommunikation kann sich zum Beispiel in regelmäßigen Fragestunden oder in einer regelmäßigen Unterrichtung über den jeweils aktuellen Projektstand ausdrücken – aber auch in Formen der Bürgerbeteiligung, etwa indem die Kommune Ideen und Vorschläge der Bürger einholt. Hierbei ist zu betonen, dass Bürgerbeteiligung nicht Mitbestimmung heißt, denn am Ende sind es die Fachleute, die über die einzelnen Projektschritte entscheiden müssen. Es geht vielmehr um Anhörung von Meinungen und die transparente Darstellung, welche der geäußerten Bürgerwünsche in die Planungen Eingang gefunden haben und welche nicht. Nicht zuletzt bedeutet offene Kommunikation aber auch eine rückstandsfrei transparente Informationspolitik im Falle einer unvorhersehbar eintretenden Krise.

Aber für den Projekterfolg sind weitere Rahmenbedingungen zu beachten:

  • So ist es von entscheidender Bedeutung, dass Vertreter aus politischer Führung, Verwaltung, Planung und Öffentlichkeitsarbeit zu einer Steuerungsgruppe zusammenfinden, die sich gemeinsam auf die Grundsätze einer offenen Kommunikation verpflichtet und sich regelmäßig trifft, um Sprachregelungen für die jeweilige Projektphase festzulegen.

 

  • Es ist parallel zum Projektplan ein Kommunikationskonzept zu entwickeln, das für einen überschaubaren Zeitraum von 2 – 3 Jahren die flankierenden Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit festlegt. Das hat den Vorteil, dass diese Maßnahmen nicht jeweils adhoc aus dem Boden gestampft werden müssen, sondern abrufbar sind – auch wenn innerhalb der Steuerungsgruppe das Personal und/oder die Zuständigkeiten wechseln.

 

  • Zudem ist die Fachsprache der beteiligten Architekten, Planer und Verwaltungsfachleute jeweils in eine allgemein verständliche Sprache zu übersetzen. Das bedeutet zum Beispiel, Vermeidung allzu vieler Fach- und Fremdwörter, Bevorzugung einfacher Sätze und überschaubarer Texte mit Unterstützung von positiv emotionalisierenden Bildern und eingängigen Infografiken.

 

  • Da die Menschen in Zeiten von Facebook & Co. in der Regel auf sehr unterschiedlichen Wegen ihre Informationen beziehen, ist zudem eine crossmediale Kommunikation zu empfehlen, die die klassische Tageszeitung ebenso umfasst wie den Social-Media-Kanal oder die öffentliche Informationsveranstaltung.