Das Gutmenschentum in Zeiten von Corona

Das Gutmenschentum in Zeiten von Corona

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Bei Corona verhält es sich wie bei dem Gekreuzigten: Es gibt einen Zeitraum vor Corona und einen Zeitraum nach Corona. Vor Corona war nichts so Demokratie-gefährdend wie der Moralismus der Gutmenschen – ihre Mischung aus jakobinischem Tugendterror und Orwellscher Sprachpolizei. Nach Corona dürfen wir nun ohne Hemmungen all den Menschen moralische (!) Vorhaltungen machen, die das Virus nicht ernst genug nehmen, keinen Abstand halten, Klopapier hamstern, Corona-Partys feiern und und und … Ja, es ist so weit gekommen, dass wir uns sogar unsere Grundrechte so mir nichts, dir nichts rauben lassen. Schon wurden die ersten Ausgangssperren verhängt. Was mich anbelangt, komme ich gut mit dem grassierenden Moralismus und den staatlichen Maßnahmen zurecht. Aber jeder bloggender Wutbürger müsste doch genau deshalb jetzt ungezügelt durch seine Nüstern schnauben…

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Warum geht das alles mit einem Male? Warum ist jetzt geboten, was gestern noch – landauf, landab – als typisches Verhalten von Gutmenschen gehandelt worden war? Ganz einfach: Jetzt geht es uns gefühlt ganz konkret an den eigenen Hintern. Da wird man dann doch wohl mal an das allgemeine Verantwortungsgefühl appellieren dürfen! Aber geht es bei der weiterhin fortschreitenden Klimakatastrophe nicht auch ganz konkret um unseren Hintern? Wäre demnach der Appell an das allgemeine Verantwortungsgefühl nicht auch da dringend geboten? Ja, sicher. Aber gefühlt ist das noch ganz ganz ganz weit weg. Und so werden sich – sobald die Corona-Krise überwunden ist – die bloggenden Wutbürger wieder an den Gretas dieser Welt und anderen Gutmenschen abarbeiten. Denn sie sind nun einmal wild dazu entschlossen, sich jetzt endlich – auf ihre alten Tage und vor allem, wenn´s nicht mehr gefährlich ist – emanzipieren und sich von nichts und niemanden mehr Vorhaltungen machen lassen zu wollen. Vor allem keine moralischen.

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In diesem Sinne: Bleibt gesund!