Von dem unschlagbaren Vorzug, den die englische gegenüber anderen Sprachen hat

Von dem unschlagbaren Vorzug, den die englische gegenüber anderen Sprachen hat

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Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Quantenphysik ist es, dass Elementarteilchen keinen eindeutig definierten Zustand haben.  Elementarteilchen sind weder Welle noch Teilchen, sondern beides. Erst wenn ich einen Messvorgang durchführe, legt es sich auf einen Zustand fest. Anderes Beispiel: Elementarteilchen weisen eine naturgegebene Unschärfe aus Ort und Impuls auf. Erst wenn ich einen Messvorgang durchführe, kann ich den Ort ermitteln, dafür ist aber der Impuls nicht mehr bestimmbar. Bestimme ich – umgekehrt – den Impuls, lässt sich der Ort nicht mehr definieren. Kurz: Elementarteilchen befinden sich im Zustand einer Überlagerung mehrerer Möglichkeiten. Erst indem der Mensch einen Messvorgang auslöst, reduziert er das Elementarteilchen auf nur einen Zustand. Die anderen Zustände sind damit eliminiert. Die Wellenfunktion kollabiert.

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Die Sprache macht nichts anderes. Ein Ding kann mehrere mögliche Bedeutungen haben. Indem ich es mit einem Namen belege, reduziere ich es auf nur eine, alle anderen treten in den Hintergrund. Zurück zu unserem Stein, den ich in meinem letzten Post in seiner Funktion als Nussknacker beschrieben habe. Die Urbedeutung des Begriffs bezieht sich auf die Härte. Damit wird der Stein durch die Benennung auf das Merkmal „hart“ festgelegt. Nun ist Härte aber relativ. Eine Wolke ist für eine andere Wolke hart. Deshalb türmen sie sich auf, wenn sie aufeinanderstoßen. Dennnoch würden wir sie nie als Stein bezeichnen, und zwar aus einem Grund: weil sie für uns nicht hart ist, so wie – umgekehrt – ein Stein für uns hart ist. Für eine Steinsäge wiederum ist er es nicht. Allerdings gab es damals, als der Vorläufer des Wortes „Stein“ zur Welt kam, noch keine Steinsäge. Mit einem Wort: Namen legen ein Ding in seiner Bedeutung fest, die für uns Menschen Relevanz hat.

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Dieser Sachverhalt wird auch deutlich an dem lateinischen und altgriechischen Wort für „Mond“. Das lateinische „Luna“ ist verwandt mit dem Wort „lux“ und weist den Erdtrabanten damit als etwas aus, das leuchtet. Das griechische „men“ hebt hingegen auf den Mondzyklus ab, der innerhalb eines Monats zu- und wieder abnimmt. Die Lateiner reduzierten den Mond also auf einen Lichtspender, die Griechen legten den Mond in seiner Funktion als Uhr und Taktgeber fest. Das bedeutet: Worte sind keineswegs bloße lautliche „Übertragungen“ oder sinnentleerte Markierungen. Worte sind immer bereits Auslegungen der Dinge auf eine Funktion hin, die sie für den Menschen hat. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass wir in den bisherigen Posts zum Thema nur über Naturdinge gesprochen haben, über Steine, Kokosnüsse und den Mond. Diesen Dingen konnte der Mensch erst nachträglich einen Zweck zuweisen, während er Dingen, die er herstellt, ihren Zweck bereits im Moment der ersten Projektidee einschreibt. Deshalb heißen Instrumente, mit denen wir Nüsse knacken, nicht mehr Stein, sondern – na klar! – Nussknacker.

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Der Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857 – 1913) hat die These aufgestellt, dass der Zusammenhang zwischen dem Ding und seinem Namen, zwischen dem Bezeichneten und dem Zeichen, willkürlich ist. Als Beleg hierfür dient in der Regel der Umstand, dass die unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Wörter für ein und dasselbe Ding finden. Die Deutschen bezeichnen als „Baum“, was die Engländer „tree“ und die Franzosen „arbre“ nennen. Für den Baum müssen die vielen Namen, die die Menschen für ihn gefunden haben, tatsächlich als reine Willkür erscheinen. Für den Sprechenden aber – den Bezeichnenden – ist dieser Zusammenhang keineswegs willkürlich – schon vom ersten Moment an nicht, in dem er ein Ding mit einem Namen belegte. Der Namengeber musste das Ding genauso bezeichnen, wie er es bezeichnet hat, eben weil er in dem Wort die gesamte Bedeutung hineinlegt, die er dem Ding zuvor zugewiesen hat. Aus seiner Sicht ist der Name also alles andere als willkürlich. Es ist wie mit dem Engländer, der damit renommiert, dass das Englische die einzige Sprache sei, die den Löffel als exakt das bezeichnet, was er in Wirklichkeit auch ist: ein Spoon.

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In Deutschland verbinden sich Menschen zu Vereinen, die die deutsche Sprache bewahren und fremdsprachige Elemente fernhalten sollen. In Frankreich verbinden sich Menschen zu Vereinen, die die französische Sprache bewahren und fremdsprachige Elemente fernhalten sollen. In England verbinden sich Menschen zu Vereinen, die die englische Sprache bewahren und fremdsprachige Elemente fernhalten sollen. In Timbuktu verbinden sich … Sie sehen: Für den Sprecher einer Sprache ist der Zusammenhang zwischen Zeichen und Bezeichneten nichts anderes als zwangsläufig. Ein Engländer kann den Begriff „Spoon“ eben nicht einfach mal so durch „Löffel“ ersetzen, ohne dass er mit den allergrößten Abwehrreaktionen zu kämpfen hat – wie umgekehrt übrigens auch. Und dies deshalb, weil das Weltverständnis und die Identität unlösbar mit der eigenen Sprache verbacken ist. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die äußeren Dinge eine „Illusion“ wären, wie so mancher behauptet, der von der Materie keine Ahnung hat. Aber wir können die Dinge nur in der Bedeutung wahrnehmen, die uns die Sprache immer von vorneherein – a priori – mitliefert. Die Welt, wie wir sie kennen und kennenlernen, ist sprachlich, kulturell – und also sozial – vermittelt.

Vorheriger Post zum Thema: Von dem unvorstellbaren Aufwand, eine Kokosnuss zu knacken